Psychomotorik im Kita-Alltag: Bewegung, Wahrnehmung und Persönlichkeitsentwicklung mit Alltagsmaterialien
- Blickpunkt Mensch
- 2. Aug. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 17. Dez. 2025

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du mit gezielten Materialangeboten und einer passenden Raumgestaltung die Psychomotorik in der Kita oder im Hort integrieren kannst.
Du erhälst praxisnahe Impulse, um Kinder spielerisch in ihrer motorischen, emotionalen und sozialen Entwicklung zu begleiten.
Psychomotorik als ganzheitlicher Ansatz
Psychomotorik ist weit mehr als Bewegung. Sie ist ein Konzept zur Persönlichkeitsentwicklung, das Kinder in ihrer gesamten Entwicklung unterstützt. Über das Erleben, Erfahren und Kommunizieren in und durch Bewegung entwickeln Kinder ihre Körperwahrnehmung, ihr Selbstbild und ihre sozialen Kompetenzen, welche alle Grundvoraussetzungen für spätere höhere Fähigkeiten sind.
Doch wie kann dies im Kita-Alltag mit einfachen Mitteln umgesetzt werden?
Besonders im Gruppenraum bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, psychomotorische Erfahrungen mit Alltagsmaterialien und passender Raumgestaltung zu ermöglichen.
Psychomotorik als Persönlichkeitsentwicklung: Mehr als nur Bewegung
Psychomotorik basiert auf der Erkenntnis, dass Bewegung nicht nur die motorischen Fähigkeiten schult, sondern auch Einfluss auf die Wahrnehmung, das Selbstbild und die soziale Interaktion hat. Kinder erleben ihre Umwelt und sich selbst über Bewegung.
Sie springen, krabbeln, rollen, balancieren und klettern. Dabei sammeln sie wertvolle sensorische und motorische Erfahrungen, die für ihre gesamte Entwicklung entscheidend sind.
Ein zentrales Prinzip der Psychomotorik ist die Selbstbestimmung des Kindes.
Es geht nicht darum, vorgefertigte Bewegungsaufgaben zu stellen, sondern den Kindern Raum für ihre eigenen Spielideen zu geben. Pädagogische Fachkräfte begleiten diesen Prozess sensibel und unterstützend, ohne in das Spielgeschehen aktiv einzugreifen.
Sensomotorik als Basis der Psychomotorik
Ein wichtiger Bestandteil der Psychomotorik ist die Sensomotorik: die enge Verknüpfung von Sinneswahrnehmung (Sensorik) und Bewegung (Motorik). Kinder nehmen ihre Umwelt über ihre Sinne wahr und reagieren darauf mit Bewegungen. Durch diese Erfahrungen entwickeln sie ein inneres Bild von sich selbst und ihrer Umwelt.
Ein Kind, das barfuß über unterschiedliche Untergründe läuft, erfährt nicht nur verschiedene taktile Reize, sondern schult auch seine Körperkoordination. Beim Balancieren auf einem Seil oder Kissen müssen Gleichgewichtssinn und Muskelspannung zusammenspielen. Sensomotorische Erfahrungen sind daher essenziell für die gesamte Entwicklung des Kindes und sollten im pädagogischen Alltag bewusst gefördert werden.
Materialien als Impulsgeber für Bewegung und Wahrnehmung.
Eine psychomotorisch gestaltete Umgebung muss nicht mit teuren Turngeräten ausgestattet sein. Vielmehr geht es darum, mit einfachen Materialien vielfältige Bewegungs- und Wahrnehmungsreize zu schaffen.
Alltagsmaterialien als Bewegungsanreize:
Kartons:
Ein- und Aussteigen, Durchkriechen, Stapeln und Bauen. Große Kartons bieten zahlreiche Bewegungsmöglichkeiten.
Tücher: Zum Schwingen, Verstecken, Fühlen oder als kreative Verkleidung nutzbar.
Seile und Gummibänder: Zum Balancieren, Ziehen, Springen oder als Begrenzungen für Spielflächen.
Kissen und Matten: Zum Bauen, Springen oder als Untergrund für unterschiedliche Körperwahrnehmungen.
Alltagsgegenstände: Kochtöpfe, Löffel oder Papprollen können als Klangelemente oder Bewegungsspiele genutzt werden.
Diese Materialien regen die Kinder dazu an, ihre Umgebung aktiv zu erkunden, Bewegungsideen zu entwickeln und kreativ mit dem Raum umzugehen.
Raumgestaltung: Ein bewegungsfreundlicher Gruppenraum
Auch wenn in Kitas oft wenig Platz für große Bewegungslandschaften ist, lässt sich der Gruppenraum so gestalten, dass er psychomotorische Erfahrungen ermöglicht.
Tipps für eine bewegungsfreundliche Raumgestaltung:
Flexible Räume:
Möbel so anordnen, dass Freiräume für Bewegung entstehen. So wenig Tische wie möglich. Kinder sind von Natur aus in Bewegung uns sitzen weniger. Auch das Malen kann im Liegen stattfinden.
Vielseitige Materialien: Unterschiedliche Texturen, Höhen und Formen in die Umgebung integrieren.
Veränderbare Elemente: Kisten, Matten oder Seile, die je nach Spielidee umfunktioniert werden können, um Spielfähigkeiten entwickeln zu können.
Rückzugsorte:
Kleine Höhlen oder Kuschelecken für sensorische Pausen und Entspannung.
Ein bewegungsfreundlicher Raum lädt Kinder dazu ein, ihre Umgebung aktiv zu gestalten und ihre motorischen Fähigkeiten spielerisch zu erproben.
Die Rolle der pädagogischen Fachkraft: Begleiten statt Anleiten
Psychomotorik lebt von der Haltung der Fachkräfte. Es geht nicht darum, fertige Bewegungsangebote vorzugeben, sondern Kinder in ihrem eigenen Tun zu unterstützen.
Was bedeutet das konkret?
Kinder beobachten und auf ihre Spielimpulse eingehen.
Ermutigen, aber nicht bewerten. Psychomotorik ist nicht leistungsorientiert.
Impulse setzen, ohne die Spielidee der Kinder zu dominieren.
Unterschiedliche Materialien bereitstellen, die zum Ausprobieren einladen.
Sicherheit geben, aber Freiräume für eigene Erfahrungen lassen.
Wenn Kinder die Möglichkeit haben, sich selbstbestimmt zu bewegen und ihre eigenen Grenzen zu erfahren, stärkt das nicht nur ihre motorischen Fähigkeiten, sondern auch ihr Selbstbewusstsein und ihre sozialen Kompetenzen.
Fazit: Psychomotorik einfach in den Alltag integrieren
Psychomotorik muss nicht kompliziert oder aufwendig sein. Sie lässt sich mit einfachen Materialien und einer bewussten pädagogischen Haltung leicht in den Kita-Alltag integrieren.
Die wichtigsten Aspekte dabei sind:
Eine bewegungsfreundliche Raumgestaltung, die Freiraum für Entdeckungen bietet.
Vielseitige Materialangebote, die alle Sinne ansprechen und kreative Bewegungsideen fördern.
Die Begleitung der Kinder, die auf Selbstbestimmung, Ermutigung und Wertschätzung basiert.
Wenn diese drei Elemente zusammenspielen, entsteht eine Umgebung, in der Kinder sich spielerisch entwickeln, ihre motorischen und sensorischen Fähigkeiten stärken und gleichzeitig ihr Selbstbild und soziale Kompetenzen aufbauen.
Lass uns gemeinsam Bewegung in den Kita-Alltag bringen!
Stefanie Milz
Erzieherin
Systemische Familientherapeutin (SG)
Marte Meo Supervisorin
Systemische Supervisorin (SG)
Motopädagogin
Neurophysiologische Entwicklungstrainerin




Kommentare